Projekttag 2020: Die Funktion der Klassiker*innen in der Religionswissenschaft

Das gab es nie zuvor! Studierende der Religionswissenschaft organisieren im Rahmen des Repetitorium-Abschlussmoduls dieses Jahr keinen Studientag, sondern eine einmalige Podcast-Reihe über die Funktion von Klassiker*innen in der Religionswissenschaft. Wenn ihr nun denkt, dass wir bloss über alte, graue Männer sprechen werden, liegt ihr vollkommen falsch! Dieser Podcast ist revolutionär! Er behandelt die wichtigsten und spannendsten Themen über die Klassiker*innen der Religionswissenschaft. Verpasst diese Chance nicht! Dieser Podcast macht euch zu besseren Religionswissenschaftler*innen und vielleicht werdet ihr dadurch sogar die zukünftigen Klassiker*innen.
 

Podcasts

Worum geht es? (Andreas Mäder, Olivia Roth)

Dieser Podcast möchte den Zuhörenden einen Überblick geben, welche Bedeutung Klassiker*innen in der Religionswissenschaft haben. In einem ersten Segment wollen wir Klassiker*innen als gemeinsames Fundament für Lehre und Forschung behandeln. Ein zweites Segment wird sich verschiedenen Definitionen und Selektionskriterien widmen, die bestehenden Listen von Klassiker*innen zugrunde liegen. Ein drittes Segment wird die Grenzen solcher Definitionen und Listen behandeln.

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Inner- und ausserdisziplinäre Dynamiken (Alice Cavadini, Bernadette Jacober, Meret Bannwart)

Viele Klassiker*innen unseres Fachs waren nicht Religionswissenschaftler*innen, sondern in anderen Fächern tätig. Man findet Ethnolog*innen, Soziolog*innen, Historiker*innen, Theolog*innen und mehr. Hat die Religionswissenschaft keine eigenen Klassiker*innen hervorgebracht? Kann man eine Wissenschaft mit nur einer kleinen Auswahl an Klassiker*innen aus der eigenen Fachrichtung betreiben? Diesen Fragen werden im Podcast zum Thema «innerdisziplinär/ausserdisziplinär/interdisziplinär» analysiert.

Die Frage der Eigenständigkeit der Religionswissenschaft wollen wir anhand von zwei Punkten diskutieren: Zum einen soll die Bedeutung der Geschichte der Religionswissenschaft beleuchtet werden. Zum anderen soll auch die Entwicklung des Faches und die Öffnung hin zu neuen Forschungsbereichen erörtert werden. Wie steht es um Beziehungen von Religion zu Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur?

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Sprachräume und Eurozentrismus (Anne-Christine Halter, Monika Simioni, Anna Weibel)

In der Auseinandersetzung mit den an der UZH in Proseminaren der Religionswissenschaft gelehrten Texten fällt auf, dass ein Grossteil der Texte in deutscher Originalsprache vorliegt und fast alle Autor*innen aus Europa stammen. Bei deutschsprachigen Klassikersammlungen wie etwa jenen von Axel Michaels (1997) oder Udo Tworuschka (2011) wiederholt sich dieser Eindruck. Dies wirft die Frage auf, ob es in der Religionswissenschaft ein global übergreifendes Verständnis von Klassiker-Texten gibt oder jede Sprachregion und Wissenschaftskultur ihre eigenen Klassikertraditionen und damit auch ein anderes Fachverständnis hervorbringt.

Wir thematisieren zuerst den Zusammenhang zwischen dem grundlegenden Fachverständnis und der Auswahl von Klassiker*innen und bieten einen Überblick über die weltweite Verbreitung der Religionswissenschaft und unterschiedliche Fachverständnisse. Danach legen wir den Fokus auf den europäischen Kontext und uns naheliegende Sprachregionen (Englisch, Französisch, Italienisch). Unterscheiden sich die jeweiligen Listen von Klassikertexten von uns geläufigen? Was für ein Verständnis des Fachs liegt ihnen zugrunde? Abschliessend wird diskutiert, ob es Provinzen religionswissenschaftlicher Forschung gibt und wie sie sich auf unseren (notwendig provinziellen?) wissenschaftlichen Alltag auswirken.

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Gender, Bias und Selektivität (Laura Peter, Nina Yehia, Mario Venanzi)

Gegenwärtig verfügbare Klassikerlisten ignorieren die Auseinandersetzung mit der Kategorie Gender. Um diesem theoretischen und methodischen Bias entgegenzuwirken, führen wir in aktuelle Gender-Konzeptionen ein. Anhand von drei kontrastierenden Fallbeispielen soll dann diskutiert werden, wie Gender eine religionswissenschaftlich relevante Analysekategorie bildet. Die Fallbeispiele konzentrieren sich auf verschiedene Aspekte der Gender-Kategorie, befassen sich mit unterschiedlichen religiösen Traditionen und stammen aus diversen geographischen Räumen. In einer Synthese wollen wir erste Annäherungen an das Verhältnis zwischen Gender und Religion formulieren, die ein Korrektiv zu bestehenden Klassikerlisten leisten möchten.

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Information zum Podcast (PDF, 188 KB)

Q&A-Session, 4. Dezember 2020, 10-12 Uhr

(Zoé Meier, Lukas Stöckli)

Am 4. Dezember wird es von 10-12 Uhr abschliessend ein Live Q&A geben. Hier haben wir die Möglichkeit, uns über die oben skizzierten Themen auszutauschen sowie unsere und eure Fragen zu diskutieren. Ausserdem wollen wir euch dabei einen letzten Gesamtüberblick über das Thema und die wichtigsten Diskussionspunkte liefern.

Anmeldung via email: nina.yehia@uzh.ch

Veranstaltung im Rahmen des Repetitoriums Religionswissenschaft

Tutorinnen: Mirella Candreia und Alexandra Probst
Leitung: Christoph Uehlinger