Religionswissenschaft als Kulturwissenschaft und der Anspruch der Religionen

Religionswissenschaft versteht Religionen als geschichtlich gewachsene, sich stetig verändernde kulturelle Deutungs- oder Symbolsysteme, die untereinander und mit Gesellschaft, Wirtschaft, Politik usw. in vielfältigen Wechselbeziehungen stehen. Religionen prägen Menschen und werden durch Menschen geprägt. Die Religionswissenschaft untersucht die kulturellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Kontexte, in denen Religionen entstehen und sich entwickeln, und sie fragt danach, wie Religionen auf Kulturen zurückwirken und sie mitgestalten.
Religionswissenschaft begreift Religion als kulturelle Kommunikation, mit der Menschen auf eine bestimmte Weise die Wirklichkeit interpretieren und sich in ihr orientieren. Sie untersucht die Regeln, nach denen diese Kommunikation verläuft, und die Inhalte, die dabei vermittelt werden.
Religionswissenschaft entscheidet nicht über Wahrheit oder Unwahrheit religiöser Vorstellungen und Handlungsweisen. Sie ist grundsätzlich bekenntnisfrei, versucht religiöse Erfahrungen und Überzeugungen aus deren eigenem Selbstverständnis heraus begreifen und sie in ihren historisch und empirisch erforschbaren kulturellen Kontexten zu situieren.