Fokussierung historische und vergleichende Religionswissenschaft

 „The past is never dead. It’s not even past.“ (William Faulkner)

Kein anderer Bereich gesellschaftlicher Kommunikation ist so sehr durch historische Zusammenhänge und Bezugnahmen auf Geschichte(n) geprägt wie Religion: sei es, dass Religionsgemeinschaften ihr Bestehen auf Stiftungsereignisse, Gründerfiguren oder Gruppenschicksale zurückführen; sei es, dass einzelne Religionen oder Religion überhaupt als eine Art Kulturerbe der Menschheit betrachtet werden; sei es, dass Konflikte zwischen Religionsgemeinschaften als Resultat historischer Verwerfungen bis in unsere Gegenwart hineinragen. Was Religionen heute sind, sind sie geworden; ohne Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte wird man sie schwerlich verstehen können.

Bei der historischen Fokussierung der Religionswissenschaft legen wir Wert darauf, über eine blosse Religionskunde hinaus Religionsgeschichte auf dem Niveau und mit Methoden und Theorien der allgemeinen Geschichtswissenschaft zu betreiben. Besondere Aufmerksamkeit verdienen transkulturelle Kommunikations- und Transferprozesse zwischen unterschiedlichen Traditionen und Religionskulturen sowie kulturübergreifend vergleichende Fragestellungen. Masterseminare und Kolloquien verbinden quellenbasierte Forschung mit (geschichts-)theoretischer Reflexion.

Wer Religionswissenschaft mit historischem und kulturübergreifend-vergleichendem Schwerpunkt betreibt, lernt, dass vergangene und aktuelle gesellschaftliche Problematiken besser verstanden werden können, wenn man nach ihren historischen Voraussetzungen fragt. Historische Religionswissenschaft vermittelt aber nicht nur methodische Fertigkeit und Orientierungswissen, sondern auch die Kompetenz, das eigene Vorstellungsvermögen der Fremdheit anderer Denkweisen auszusetzen, anstatt sich blindlings dem Diktat der nächsten Mode zu ergeben.

HistorikerInnen wissen mehr, misstrauen dem Selbstverständlichen und denken anders.