Freischaffende Künstlerin und Facilitator

Sunita Asnani

Was hast du studiert und wann hast du abgeschlossen?

Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Soziologie, abgeschlossen 2007.

Wo hast du dich während des Studiums sonst noch engagiert?

Ich habe als Erwachsenenbildnerin Alphabetisierungs- und Deutschkurse für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund geleitet. Gleichzeitig habe ich mich intensiv dem indisch klassischen Gesang und zeitgenössischen Tanz gewidmet und habe auch in diesen Bereichen unterrichtet und performt.

Was war deine Anschlusslösung nach dem Studiumsabschluss?

Ich habe erst mal weiterhin Deutsch- und Alphabetisierungskurse geleitet und den eidgenössischen Fachausweis für Ausbildner gemacht. Schon sehr bald habe ich dann eine Arbeitsstelle erhalten als Betreuerin in einem Durchgangszentrum für unbegleitete, minderjährige Asylsuchende.

Was hast du anschliessend gemacht und wo bist du inzwischen gelandet?

Ich ging zwei Jahre später auf eine Reise in die USA und nach Argentinien, wo ich mich wieder intensiv dem Tanz widmete. Als ich zurückkam in die Schweiz erhielt ich eine Stelle im HEKS, erst als Kursleiterin, dann als Fachbereichsleiterin und später als Co-Leiterin und Projektentwicklerin für drei verschiedene Integrationsprogramme. Ich arbeitete immer Teilzeit und verbrachte möglichst viel Zeit mit Tanzen, Tanz Unterrichten, Performen. Das Kreativ-schöpferisch-sein wurde irgendwann so wichtig, dass ich das nicht mehr als Hobby betreiben wollte. Ich traf meinen heutigen Mann, der Choreograph ist, und wir fingen an zusammenzuarbeiten, Stücke zu entwickeln, zu performen, zu unterrichten, zu choreographieren. Ich verliess meine sichere Stelle im HEKS und machte mich selbstständig. Als Freelancerin arbeitete ich dann einerseits für ein IT Startup für Geflüchtete namens Powercoders und andererseits für meine künstlerische Arbeiten. Heute haben mein Mann und ich einen Verein für ungewöhnliche Kunst und Bildung sowie soziale Innovation. Nebst den künstlerischen Projekten wenden wir kunstbasierte Methoden auch im Bereich Bildung oder Innovation in Unternehmungen an.

Was hat dir das Studium der Religionswissenschaft gebracht? Was hast du gelernt? Wovon konntest du im Berufsleben profitieren?

Das Studium für mich in erster Linie eine Schulung des kritischen Denken, Reflektieren, Differenzieren, Kontextualisieren und Argumentierens. Die Aneignung von faktischem Wissen und konkreten Inhalten war in meinem Fall weniger von Bedeutung. Die gesellschaftlichen Fragestellungen hingegen schon - sicher beeinflussen sie meine aktuellen Fragestellungen, wie ich sie in der Kunst formuliere. Insgesamt hat mich das Studium derart grundsätzlich geprägt, dass es mir heute gar nicht mehr bewusst ist, was vom Gelernten in meine Arbeit und meinen Alltag einfliesst.

Hast du Tipps für Studiumsanfänger*innen?

Im Studium sollte man sich die Freiheit nehmen, so viel wie möglich den eigenen Interessen zu folgen und nicht den «Nutzenaspekt» in den Vordergrund zu stellen. Die Anwendungsmöglichkeiten ergeben sich dann aus ganz verschiedenen gesellschaftlichen und persönlichen Parametern, manchmal nicht sehr geradlinig. Parallel zum Studium sollte man unbedingt praktische Arbeitserfahrungen sammeln. Das erleichtert den späteren Berufseinstieg.